Erst denken – Dann Schlachten

© Dinah Herbst/Dietmar Hesse …

Dennis steht in der Küche und betrachtet sorgfältig seine Auswahl der Zutaten für das Gericht. Ein Lächeln schleicht sich bei dem Gedanken an Sina auf das Gesicht. Mit viel Liebe hatte er das Rezept ausgewählt. Sie erzählte ihm einmal, dass sie Kaninchen mag. So versucht er, ihren Geschmack zu treffen. In Honig Estragonwürze, das sollte ihr schmecken. Er hatte extra, um auch alles frisch auf den Tisch zu bringen, den Opa gefragt. Der führte ihn zum Kaninchenstall.
»Such Dir eins aus, der dahinten ist fett genug.«
»Dann nehme ich den. Bereitest Du ihn vor? Abziehen, ausnehmen?«
»Klar doch, meen Jung. Für Dich tu ich das gerne.«

Er war gut vorbereitet. Ihr Liebeslied auf den Lippen macht er sich an die Arbeit. Hier noch etwas würzen, dort einen Teelöffel Wein dazu, abschmecken, es ist ihm gelungen. Er deckt den Tisch, sein bestes Geschirr holt er aus dem Schrank. Kerzen und Blumen stehen in der Mitte. Er betrachtet das Werk, sie kann kommen!
Wie aufs Stichwort klingelt die Glocke, Dennis schaut im Flur in den Spiegel, alles in Ordnung. Vor der Tür steht Sina und lächelt ihn an.
»Hi, hast Du Hunger mitgebracht?«
»Ich könnte schon was Leckeres vertragen.«
Er nimmt ihr die Jacke ab und führt sie ins Esszimmer.
Erstaunt betrachtet sie das Szenario und setzt sich auf den von ihm angebotenen Stuhl.
»So viel Mühe, dass war nicht nötig. Ich dachte, wir machen es uns gemütlich und bestellen eine Pizza.«
Dennis friert innerlich, doch er lächelt tapfer weiter.
»Moment, ich hole das Essen.«

Sina schaut auf ihren Teller, dreht das Fleisch mit der Gabel um und läuft weis an.
»Was ist das für ein Tier?«
Er ist verunsichert. »Kaninchen, Du hast gesagt, du magst das.«
»Iiih, bei mir zu Hause im Stall, aber doch nicht zum Essen, Du Idiot!«
Sie springt auf und rennt zur Tür, greift sich ihre Jacke und vor dem endgültigen Verschwinden schreit sie noch schrill »Du Tier-Mörder!«
Verdutzt und erschrocken steht Dennis vor seinem Werk. Was hat er falsch gemacht?