Abschied

Der von allen im Dorf geliebte Herr Neumeister ist gestorben. Heute versammeln sich seine früheren Schüler auf dem Friedhof, um die Beerdigung des Rektors der Grundschule würdig zu zelebrieren.
Der Pastor will gerade mit der Trauerrede beginnen, als lauter Lärm die Zeremonie stört. Irritiert wandern die Blicke zum Nachbargrundstück.

Bauer Lemprecht hat genau diesen Moment ausgewählt, um mit einem Ungetüm von Rasenmäher das Grass zu kürzen. Er war ein schlechter Schüler und hatte immer wieder Probleme mit dem Verstorbenen. Die späte Rache kommt hier aber nicht an.

Alle wenden sich erbost dem Störenfried zu. Die lauten Rufe und Gesten der Trauernden erreichen ihn trotz des Knatterns. Irritiert schaut er auf, schüttelt den Kopf und beendet die Rasur.
Erleichtert drehen sich die Dorfbewohner um. Es kann weiter gehen. Der Geistliche spricht seine Worte, und Blumen werden ins offene Grab geworfen. Die eine oder ander Träne ist auf den Wangen der Damen zu sehen.

Aus dem Hintergrund kommt ein junges Mädchen näher. Als letze tritt sie vor die Ruhestätte. Zögernd hält sie eine Geburtstagstorte darüber. Auf ihr brennt einsam eine Kerze.

»Die ist für dich, mein Erklärer. Feiere mit ihr deinen ersten Tag dort oben bei den Lieben. Ich stelle jedes Jahr eine Torte mit einem Licht mehr an diesen Ort, in Gedenken an einen wunderbaren Lehrer und treuen Freund.«

Sie hört hinter sich ein Gemurmel, wendet sich herum und sieht in lächelnde Gesichter.

© Dinah Herbst/Dietmar Hesse